Geschichte - FC Dornbirn 1913

Die folgenden Textpassagen und Bilder stammen aus dem 100-Jahrbuch welches anlässlich des 100 Jahr Jubiläums des FC Dornbirn im Jahre 2013 erschien.

Schon als kleiner Junge galt für mich der olympische Gedanke, dabei sein ist alles - bei den Spielen unserer Rothosen. Tradition und Verbundenheit mit der Heimat zeichnen den FC Dornbirn aus. Und der Verein schafft es auf vorbildliche Art, junge Menschen für den Fußball zu begeistern. Für mich ein klares Signal, dass der FC Dornbirn auch in den nächsten hundert Jahren Furore machen wird. Alles Gute zum Geburtstag!

Dr. Karl Stoss

100 Jahre FC Dornbirn ist gleichbedeutend mit 100 Jahre Hochschaubahn der Gefühle. Auch während meiner Sportreporter-Tätiqkeit beim ORF Dornbirn. Vom mitreißenden 11.000 Zuschauer-Fußballfest gegen Wacker Innsbruck im Herbst 1979 bis zu den quälenden Fusionskrämpfen und lähmenden Geldsorgen, von den prägenden Spielerpersönlichkeiten bis zur begeisternden Nachwuchsarbeit. Dies alles in einem der stimmungsvollsten Stadien Österreichs. Bleibt nur die Frage, die Hoffnung und der Wunsch zum Jubiläum: einmal wieder als Vertreter Vorarlbergs den Aufstieg in die höchste österreichische Fußball-Spielklasse zu schaffen.

Günter Polanec

Der FC Dornbirn war für mich das Sprungbrett meiner Karriere. Fritz Rafreider war mein Idol, und ich bin heute noch stolz, dass er mich persönlich zu den FCD-Altherren eingeladen hat. In der Zwischenzeit bin ich seit über 25 Jahren bei den Altherren dabei und möchte diese tolle Cemeinschaft nicht missen. Ich wünsche dem FC Dornbirn eine erfolgreiche Zukunft und bedanke mich bei allen, die dazu beitragen werden.

Martin Gisinger

12. MÄRZ 1913 - DIE GRÜNDUNG

Der 12. März 1913 war kein aufregender Tag. Dass sich an diesem milden Frühlingsabend 15 junge Burschen im Gasthaus „zur Flur“ in der Radetzkystraße trafen, weckt so wie ihr Vorhaben kein großes öffentliches Interesse. Immerhin hätte man einer Einschaltung im Gemeindeblatt und einer kleinen Notiz der Vorarlberger Landeszeitung vom Vortag entnehmen können, dass es um die Gründung eines neuen Vereins ging, in dem der Fußballsport in der jungen und florierenden Textilstadt organisiert und rechtlich verankert werden sollte.

Etwas derartiges gab es hier zu lande nur im benachbarten Lustenau, wo schon sechs Jahre zuvor Vorarlbergs erster Fußballclub aus der Taufe gehoben worden war. Nicht zufällig waren an jedem denkwürdigen Abend dann auch Lustenauer Funktionäre eingeladen worden, um dem neuen Verein hilfreich zur Seite zu stehen. Bereits eine Woche zuvor hatten einige Fußballspieler zu einer Vorbesprechung geladen, wohl um abzuklären, ob denn auch tatsächlich Nachfrage und Bedarf für einen solchen Verein in Dornbirn bestand.

Auch darüber, dass der 22-jährige Bankbeamte Hugo Ludescher als einer der ältesten Anwesenden zum ersten Obmann gewählt und der zwei Jahre jüngere Hans Büchele sein Stellvertreter wurde. Den ersten Vorstand komplettierten Karl Hörbe als Schriftführer, Franz Winter als Kassier, Hans König als Geräteverwalter und Ernst Albrich als Spielleiter, sprich Mannschaftskapitän. Bereits in der dritten Versammlung einen Monat später werden mit Franz und Siegfried Hämmerle sowie Arthur Boch drei Mitglieder aufgenommen, die die Geschichte des neuen Vereins wesentlich beeinflussen sollten.

Alle einschließlich dieser Versammlung aufgenommenen Mitglieder galten laut einer Verlautbarung im Dornbirner Gemeindeblatt als »Cründer«. Einige von ihnen ließen sich als bald schon vom aktiven zum passiven Mitglied umschreiben, wobei besonders hervorgehoben wird, dass Andrä Kasser »seine Fußballschuhe dem FCD schenkte«. Wenn auch Fußball damals ein reiner Männersport war, wurden doch schon Anfang 1914 mit Agnes Almer, Mina Hämmerle sowie Julie und Marie Waibel die ersten Frauen als passive Mitglieder aufgenommen.

Ausschnitt Vom Dornbirner Gemeindeblatt 2. März 1913 und 9. März 1913

Fussball und Turnen - eine konfliktreiche Geschichte

Noch 1963 unterscheidet Dornbirns Bürgermeister Dr. G. A. Moosbrugger im Grußschreiben zum 50-Jahr-Jubiläum des FC Dornbirn zwischen der traditionellen »Turnbewegung« und dem »Sport im engeren Sinne« wie Fußball und Skilauf.

Viel kerniger hatte ein halbes Jahrhundert zuvor August Bösch den Streit zwischen Turnern und Fußballern auf den Punkt gebracht: »Fußball und Turnen vertragen sich nie miteinander und können nicht nebeneinander bestehen«, polterte 1907 der Vorstand des Turnvereins Lustenau und wurde damit indirekt zum Pionier des Vorarlberger Fußballsports. 

Die handfeste Konsequenz seiner Erkenntnis war nämlich ein Platzverbot für die Fußballer auf dem Lustenauer Turnplatz und damit der endgültige Bruch des bisherigen ohnehin reibungsintensiven Zusammenlebens von Turnern und Fußballern in einem Verein. Die Fußballer, bisher eine eigene Riege im dortigen Turnverein, machten sich selbständig und gründeten den FC Lustenau.

Vereine von heute ungleich größerer Bedeutung wie etwa der FC Bayern München hatten eine vergleichbare Entwicklung genommen.

Der deutsche Rekordmeister war 1900 aus dem Männerturnverein München ausgetreten. In Dornbirn hingegen liefen alle Dinge anders, die Fußballer spalteten sich weder vom Turnverein ab noch gab es offensichtlich personelle Verbindungen zwischen diesen Vereinen. Wie aus seiner Chronik hervorgeht, gab es innerhalb des Turnvereins bereits seit dem 13. Mai 1910 eine eigene Fußballriege, die auf dem Zanzenberg und nach dem Krieg in Bündtlitten trainierte und spielte. 

Vom Zanzenberg zum Krottenloch

Erst ein Jahr nach der Vereinsgründung traf am 20. März 1914 aus Innsbruck endlich ein lang erwartetes Schreiben der k.&k. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg ein, wonach die Bildung des Vereins genehmigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten die wackeren FCler so zusagen illegal schon einige Spiele in ihren Beinen, das Sportplatzproblem aber lastete wie das Damoklesschwert über dem jungen Verein.

Von einem Stadion war man damals noch »Lichtjahre« entfernt. Der ehemalige Viehmarktplatz ließ Spiele für zwei Sechserteams mehr schlecht als recht zu und so manchem ehrbaren Dornbirner Bürger prallte bei seinem Sonntags-spaziergang ein scharf geschossener Ball an den Kopf. Auch wegen gefährdeter Obstbäume in der unmittelbaren Nachbarschaft regte sich alsbald Widerstand gegen »solch unsägliches Sonntagsge-schehen«. 

Ein »wilder« Klub namens »Germania«, bei dem einige Spieler des FC mitwirkten, trainierte in Soafasüders (Spiegels) Bündt und man machte sich Hoffnungen auf ein Spielfeld, doch die 100 Kronen für einen Ankauf konnten nicht aufgebracht werden. 

In dieser Not trat Fabrikant Viktor Hämmerle, der Sohn des Firmengründers Franz Martin (F. M.) und Onkel von Siegfried Hämmerle, auf den Plan. Er hatte schon das Rappenloch und Alploch zugänglich machen und das Kraftwerk Ebensand bauen sowie den in seinem Besitz befindenden Zanzenberg erschließen lassen, galt schlechthin als Förderer von Schule und Musik, Landwirtschaft und Fremdenverkehr. Dass er später für den Nationalsozialismus eintrat, mag sein Bild in der Nachwelt in einem zwiespältigen Licht erscheinen lassen. Hämmerle jedenfalls griff den Jungen Sportlern kräftig unter die Arme und ließ auf dem Zanzenberg eine Sportanlage bauen, wo bereits seit 1910 die Spieler des Turnvereins trainierten und wo nun zumindest mit Sechsermannschaften gespielt werden konnte.

Geringe Einnahmen wurden auch schon verzeichnet, denn etliche Schaulustige sollen den Hügel erstiegen und am Körnerstein dem neuen Kampfsport gehuldigt haben. Mehr als 20 bis 30 werden es wohl nicht gewesen sein, aber immerhin. Schließlich bekam man ja etwas Neues zu sehen. Das war alsbald auch an anderer Stelle der Fall. Um endlich, wie etwa in Lustenau längst üblich, in voller Stärke mit elf Mann auflaufen und somit den Dornbirner Fußballsport weiterentwickeln zu können, nahm man an der Ecke Bildgasse/Mozartstraße ein Lehmloch von der Baufirma J. A. Fussenegger in Pacht, im Volksmund »Krottoloch« genannt.

Viele Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder waren von Sommer 1913 bis zum nächsten Frühjahr erforderlich, um nach mühevollen Planierungsarbeiten einen halbwegs ebenen Platz zu bewerkstelligen. Klublokal und Umkleideraum – welcher Luxus! – befanden sich im nahe gelegenen Gasthaus »Wagner«.

Bis zu den wirklich guten Plätzen am Fischbach und dann in der Birkenwiese sollte es noch dauern.

Mannschaftsfoto am Fischbach

Endlich a köriga tschutterplatz”

Das erste sportliche Lebenszeichen des FC Dornbirn ist ein kurzer Tagblatt-Bericht vom 25. Mai 1919, demnach »der junge Fußballklub Dornbirn« ein Freundschaftsspiel gegen die zweite Mannschaft des FC Lustenau ausgetragen hatte. Das Ergebnis der Dornbirner wurde netterweise verschwiegen (es lautete 0:8), nur wenige Tage später am Pfingstmontag gab es beim erneuten Aufeinandertreffen wieder eine empfindliche Abfuhr (1:9).

»Die Dornbirner waren teilweise durch gute Kräfte vertreten«, schrieb das Vorarlberger Tagblatt am 14. Juni 1919 und zeigte das Hauptproblem gleich mit auf: »doch muss leider bemerkt werden, dass die ganze Mannschaft zu wenig geübt ist. Wie uns die Spieler sagten, liegt dies in erster Linie daran, dass der Fußball-Klub Dornbirn keinen richtigen Platz für Übungsspiele zur Verfügung hat.«

Beim neu gegründeten FC Bregenz musste sich der FCD Anfang September knapp 1:2 geschlagen geben – es war der Beginn einer bis heute andauernden intensiven Rivalität.

Nach einem extrem strengen und schneereichen Winter konnte dann am Ostersonntag 1920 die neue Sportanlage auf dem Hämmerle Gelände zwischen der Rotfarb-Fabrik und dem Fischbach mit einem Spiel gegen den FC Bludenz eröffnet werden, das vor »einer großen Zuschauermenge« 2:3 verloren ging. Ein geregelter Spielverkehr war in diesen Monaten schon deshalb nicht möglich, weil an Sonntagen jeder Eisenbahnverkehr eingestellt war. Dieser Umstand verhinderte dann auch die bereits am 28. September 1919 beschlossene erste Meisterschaft.

Dieser Tag ist so etwas wie der eigentliche, wenn auch nicht offizielle Gründungstag des Vorarlberger Fußballverbandes, da sich in Dornbirn Vertreter der bestehenden fünf Vereine trafen und einen Spielausschuss bildeten.

”Alle haben sie Johann, Johann gerufen - und er hat dadurch immer besser gespielt. Als junger Zuschauer auf der Birkenwiese habe ich erstmals kapiert, was Heimvorteil bedeutet und was er bringen kann.”

Thomas König

”Der FC Dornbirn ist ein Club mit große Tradition. Das familiäre Umfeld hat mir als aktiver Spieler auch des FCD besonders imponiert. Heute noch ist die Birkenwiese für mich ein ganz besonderer Ort.”

Dieter Alge

Stadion Birkenwiese

in den lahren von 1933 bis 1935 hat die Dornbirner Stadtgemeinde in großzügiger und weit blickender Art und Weise im damals wild verwachsenen Gebiet der Birkenwiese einen Sportplatz erstellen lassen, der seinesgleichen auch in weiterer Umgebung kaum fand.

Dass es dazu kam, war zum großen Teil der Initiative des Fußballpioniers und einstigen langjährigen Vorstands Franz Hämmerle und seines Nachfolgers Franz Vögel zu verdanken. Unter Heranziehung des Arbeitsdienstes wurde die wunderbar gelegene Sportanlage geschaffen.

In vielen Vorsprachen konnte Vorstand Franz Vögel Wege ebnen, die schier unüberwindlich schienen.

Seine rechte Hand war Josef Frick, der viele Jahre ehrenamtlich die Agenden eines Geschäftsführers innehatte, aus dem Zweiten Weltkrieg wie viele andere aber nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt ist.

Uhrenstreit mit der Admira

Bereits im zweiten Jahr des Bestandes wurde Admira Dornbirn mit dem routinierten Toni Fußenegger, mit Julius Ritter, Sturmtank Franz Schorm und dem jungen Narciso Gesiot souveräner Meister der A-Klasse.

Beide Vereine teilten sich den Sportplatz auf der Birkenwiese, was nicht immer ganz reibungsfrei verlief.

Im „Uhrenstreit« verweigerte der FC der Admira die Benützung der Spieluhr, da diese so wie die Lautsprecheranlage im Jahr zuvor unter erheblichem Einsatz der Klubmitglieder installiert und gegen eine Gebühr anderen Vereinen zur Verfügung gestellt wurde. Allerdings habe die Admira »hierfür kein Interesse« gezeigt.